Wahrnehmung:
Autor: Monika Orth
Kinder sollten ganzheitlich wahrnehmen:
„
Wir nehmen unsere Umwelt
nicht mit einzelnen Sinnesorganen wahr, sondern mit unserer ganzen
Person, zu der auch Gefühle Erwartungen, Erfahrungen und
Erinnertes gehören.“
Doch auf Grund der
unausgewogenen und einseitigen beanspruchen der Sinne, sowie der
Reitzüberflutung durch die Medien, dem Verlust der
körperlich-sinnlichen Erfahrungen, der wachsenden Technisierung
der Umwelt und der damit verbundenen Schwierigkeit Zusammenhänge
wirklich zu begreifen, gibt es immer mehr Kinder die als hyperaktiv
bezeichnet werden, sie sind unruhig, nervös, sind leicht
reizbar, können sich nicht Konzentrieren und weisen eine
Schwäche in der Feinmotorik auf.
In unserer heutigen Zeit
treten vermehrt Wahrnehmungsstörungen wie Hyperaktivität
auf, die betroffenen Kinder können zwar sehen, hören etc.,
sind aber nicht in der Lage, die aufgenommenen Reize richtig zu
verarbeiten. Die Informationen, welche ihnen ihre Sinnesorgane
vermitteln sind ungenau und oft zusammenhangslos. Da nicht selten
einzelne Informationen fehlen. Man muss sich das vorstellen wie bei
einem Puzzle, wenn mehrer Teile Fehlen, wird das Puzzle unbrauchbar,
da ja kein ganzes Bild mehr entstehen kann. Doch warum fehlen
Informationen? Das liegt daran, dass die Sinne wie bereits erwähnt
viel zu oft nur einseitig angesprochen und trainiert werden. Doch um
ein ganzes Bild von etwas zu erhalten benötigt das Gehirn die
Informationen aller Sinne. Außerdem verkümmert ein Sinn,
wie wir bereits wissen, in seiner Funktion wenn er nicht trainiert
wird. Und dann ist das Zusammenspiel zwischen den Sinnen gestört
und das Bild bleibt ganz diffus.
Ich beobachte beim
Frühstück,im Kindergarten, sehr oft, dass Kinder bereits
geschnittenes Obst aus ihrer Brotdose packen. Ich denke, die Eltern
haben es gut gemein. Aber wenn ein Kind z.B. eine Orange essen will,
ist es doch viel aufregender und vor allem Sinnesfördernder,
wenn das Kind die Orange erst Schälen muss. Dadurch erfährt
und vor allem erlebt es so viel verschiedenes, es kann die Orange
sehen, riechen, schmecken und ertasten. Es sieht die Größe,
Form und Farbe der Frucht. Es spürt die Beschaffenheit der
Schale, merkt ob es sich um eine weiche oder harte Frucht handelt.
Und es riecht und schmeckt die Zitronensäure. Erst das
zusammenfügen dieser Sinneseindrücke im Gehirn, durch das
Zusammenspiel der einzelnen Sinne, ergibt dann das Bild der
Orange.
„
Sinnliche Wahrnehmung spricht alle Sinne an.“
Sie ist nicht einfach nur das Ergebnis der Leistungen einzelner
Sinnesorgane. Eine Melodie ist auch nicht die Summe einzelner Töne,
sowie ein Wort nicht das zusammensetzen einzelner Buchstaben ist. Wie
bereits erwähnt nehmen wir alles mit unser gesamten Person wahr,
also Ganzheitlich. Doch dafür müssen wir die Fähigkeit
haben, aufgenommenes richtig zu Verarbeiten. Den erst das
Zusammenspiel der Sinne, dass nur stattfinden kann, wenn alle
empfangenen Reize richtig verarbeitet werden können und alle
Sinne beansprucht werden, macht Sinnliche Wahrnehmung möglich.
Genauso wie man einzelnen Noten zusammentragen und verbinden muß,
damit eine Melodie entsteht. Aber wann bekommt ein Kind denn eine
Orange in die Hand gedrückt, die es ganzheitlich wahrnehmen
kann? Die Erwachsenen meinen, es ist zu schwer für Kinder eine
Orange zu schälen und denken dabei überhaupt nicht daran,
was die Kinder bei diesem Vorgang alles lernen. Und so geht das dann
weiter. Im Fernsehen werden viele nützliche Dinge erklärt,
z.B. wie man einen Apfelbaum pflanzt. Dabei erhält das Kind zwar
das theoretische Wissen, aber es muss auch greifen können um
wirklich zu begreifen. Es muss selber erleben wie der Baum gepflanzt
wird. Das merken wir doch auch bei uns selbst, wenn wir z.B. einen
Schrank, anhand einer Bauanleitung, zusammenbauen wollen. Heißt
es nicht, dass wir das problemlos schaffen nur weil wir eine
Bauanleitung haben. Wenn ich jedoch weiß wie der Schrank später
aussehen soll, erleichtert mir das die Sache erheblich. Noch besser
ist es, wenn ich erlebe, wie jemand das macht und es mir gleichzeitig
Währendessen erklärt. Dann besteht eine sehr große
Chance, dass ich es später auch alleine kann.
Und das geht
heute immer mehr und mehr verloren. Das eigene Tun und Erleben.
Deswegen lautet meine Überschrift ja auch: “Kinder sollten
ganzheitlich wahrnehmen.“ Und nicht: Kinder nehmen ganzheitlich
wahr. Den um wirklich ganzheitlich wahrzunehmen, darf das eigene Tun
und Erleben nicht fehlen, außerdem müssen alle Sinne, wie
bereits erwähnt, fähig sein das aufgenommene zu Verarbeiten
und zu einem Bild zusammen zufügen.